Lochabstand bei Möbelgriffen richtig messen

Lochabstand bei Möbelgriffen richtig messen

Lochabstand bei Möbelgriffen richtig messen

Neue Möbelgriffe können einer Küche, Kommode oder einem Schrank mit wenig Aufwand eine völlig neue Wirkung geben. Damit die neuen Griffe später aber auch wirklich passen, ist vor allem ein Maß entscheidend: der Lochabstand.

Gerade beim Austausch vorhandener Griffe kommt es darauf an, genau zu messen. Schon wenige Millimeter Unterschied können dazu führen, dass die vorhandenen Bohrlöcher nicht mehr genutzt werden können. Auch bei neuen, noch ungebohrten Fronten lohnt sich eine sorgfältige Planung, damit alle Griffe gerade, gleichmäßig und harmonisch sitzen.

In diesem Beitrag zeigen wir dir Schritt für Schritt, wie du Möbelgriffe richtig ausmisst, den Lochabstand bestimmst, die passende Position auf Schrank- und Schubladenfronten planst und beim Bohren typische Fehler vermeidest.

Was bedeutet Lochabstand bei einem Möbelgriff?

Der Lochabstand bezeichnet den Abstand zwischen den beiden Befestigungspunkten eines Möbelgriffs.

Wichtig ist dabei: Gemessen wird nicht von Lochkante zu Lochkante, sondern immer:

von der Mitte des ersten Bohrlochs bis zur Mitte des zweiten Bohrlochs.

Ein Griff mit einem Lochabstand von 128 mm hat also zwei Befestigungsschrauben, deren Mittelpunkte genau 128 mm auseinanderliegen.

Der Lochabstand ist nicht mit der Gesamtlänge des Griffs zu verwechseln. Ein Möbelgriff kann beispielsweise einen Lochabstand von 128 mm haben, insgesamt aber deutlich länger sein.

Lochabstand oder Gesamtlänge – wo liegt der Unterschied?

Beim Ausmessen eines Möbelgriffs werden häufig zwei Maße verwechselt:

Lochabstand:
Abstand zwischen den Mittelpunkten der beiden Schraublöcher.

Gesamtlänge:
Die vollständige Länge des Griffs von einem äußeren Ende bis zum anderen.

Für den Austausch eines vorhandenen Griffs ist in erster Linie der Lochabstand entscheidend. Die Gesamtlänge ist dagegen wichtig für die optische Wirkung und dafür, ob der Griff ausreichend Platz auf der Front hat.

Ein längerer Griff kann trotz gleichem Lochabstand weiter über die Bohrlöcher hinausragen als ein kürzeres Modell.

So misst du einen vorhandenen Möbelgriff richtig aus

Am einfachsten lässt sich der Lochabstand messen, wenn der Griff bereits demontiert ist.

Du benötigst:

  • ein Lineal oder einen Zollstock
  • noch besser einen Messschieber
  • Papier und Stift zum Notieren
  • eventuell Kreppband zum Markieren

Schritt 1: Griff abschrauben

Öffne die Tür oder Schublade und löse die Schrauben auf der Innenseite der Front. Halte den Griff dabei von außen fest, damit er nicht herunterfällt.

Schritt 2: Bohrlöcher kontrollieren

Prüfe, ob tatsächlich zwei klar erkennbare Bohrlöcher vorhanden sind. Bei älteren Möbeln können Löcher leicht ausgefranst oder durch Lack überdeckt sein.

Schritt 3: Von Mitte zu Mitte messen

Lege das Lineal waagerecht an und miss vom Mittelpunkt des ersten Lochs bis zum Mittelpunkt des zweiten Lochs.

Bei runden Bohrlöchern kannst du die Mitte meist gut erkennen. Ist das schwierig, kannst du alternativ von der linken Kante des ersten Lochs bis zur linken Kante des zweiten Lochs messen. Da beide Löcher gleich groß sind, erhältst du ebenfalls den Lochabstand.

Schritt 4: Maß notieren und kontrollieren

Miss zur Sicherheit ein zweites Mal. Besonders häufige Lochabstände sind beispielsweise 64, 96, 128, 160 oder 192 mm. Wenn dein Messergebnis knapp danebenliegt, solltest du noch einmal besonders genau prüfen.

Wie misst man, wenn der Griff noch montiert ist?

Auch ein montierter Griff kann ausgemessen werden. Dabei misst du den Abstand zwischen den Mittelpunkten der beiden Griffsockel beziehungsweise den Stellen, an denen der Griff auf der Möbeloberfläche befestigt ist.

Das Ergebnis ist allerdings oft ungenauer, weil die Schraublöcher nicht direkt sichtbar sind. Für eine verlässliche Messung ist es deshalb besser, den Griff kurz abzuschrauben.

Wie misst man Möbelknöpfe aus?

Möbelknöpfe werden in der Regel nur mit einer Schraube befestigt. Deshalb besitzen sie keinen Lochabstand im klassischen Sinn.

Beim Austausch eines Möbelknopfs solltest du prüfen:

  • Durchmesser des vorhandenen Bohrlochs
  • Länge der benötigten Schraube
  • Stärke der Möbelfront
  • Durchmesser und Höhe des neuen Knopfs
  • Größe der Auflagefläche auf der Front

Ein größerer Möbelknopf kann kleine Druckstellen oder Verfärbungen rund um das alte Bohrloch häufig gut verdecken.

So misst du eine neue Möbelfront aus

Bei einer noch ungebohrten Front musst du nicht nur den Griff messen, sondern auch seine spätere Position planen.

Miss zunächst:

  • Breite der Front
  • Höhe der Front
  • Abstand zu den Außenkanten
  • Abstand zu benachbarten Türen oder Schubladen
  • mögliche Rahmen, Kassetten oder Verzierungen
  • Position von Scharnieren und Innenauszügen

Danach kannst du festlegen, wo der Griff sitzen soll.

Griffe auf Schubladenfronten mittig platzieren

Bei einer klassischen Schublade wird ein Möbelgriff häufig horizontal und mittig montiert.

Um die Mitte der Front zu bestimmen:

  1. Miss die Gesamtbreite der Schubladenfront.
  2. Teile das Maß durch zwei.
  3. Markiere die Mitte leicht mit einem Bleistift oder Kreppband.
  4. Miss die Höhe der Front.
  5. Markiere auch hier die gewünschte horizontale Linie.

Anschließend wird der halbe Lochabstand nach links und rechts von der Mittelmarkierung übertragen.

Beispiel

Die Front ist 600 mm breit und der Griff hat einen Lochabstand von 160 mm.

Die Mitte der Front liegt bei 300 mm.

Die Hälfte des Lochabstands beträgt 80 mm.

Die beiden Bohrpunkte liegen somit:

  • 80 mm links von der Mitte
  • 80 mm rechts von der Mitte

So sitzt der Griff exakt mittig auf der Front.

Griffe an Schranktüren richtig positionieren

Bei Türen werden Griffe häufig senkrecht montiert. Die genaue Position hängt vom Möbelstil und von der Größe der Tür ab.

Wichtig ist vor allem, dass:

  • alle Griffe denselben Abstand zur Außenkante haben
  • die Position auf allen Türen gleich ist
  • der Griff gut erreichbar bleibt
  • ausreichend Platz zu benachbarten Griffen vorhanden ist
  • der Griff nicht mit einer angrenzenden Tür oder Wand kollidiert

Bei zwei nebeneinanderliegenden Türen werden die Griffe häufig spiegelbildlich nahe der mittleren Öffnungskante montiert.

Wie weit sollte ein Griff vom Rand entfernt sein?

Dafür gibt es kein einziges Maß, das für alle Möbel passt. Die Position hängt von der Frontgröße, dem Griffmodell und der gewünschten Wirkung ab.

Ein schmaler Griff auf einer kleinen Kommode benötigt eine andere Platzierung als ein langer Relinggriff auf einer hohen Küchentür.

Deshalb solltest du vor dem Bohren immer prüfen:

  • Wirkt der Griff optisch ausgewogen?
  • Kann man ihn bequem greifen?
  • Bleibt genügend Abstand zur Kante?
  • Treffen die Schrauben im Inneren auf Beschläge oder Scharniere?
  • Lassen sich Türen und Schubladen vollständig öffnen?

Eine Papierschablone hilft dabei, verschiedene Positionen vorab auszuprobieren.

Mit einer Bohrschablone sauber und gleichmäßig arbeiten

Wenn mehrere gleiche Fronten gebohrt werden sollen, ist eine Bohrschablone besonders hilfreich.

Du kannst eine fertige Griff-Bohrschablone verwenden oder selbst eine aus stabilem Karton anfertigen.

Markiere darauf:

  • die Außenkante der Front
  • die gewünschte Höhe
  • den Lochabstand
  • die beiden Bohrpunkte

Die Schablone wird anschließend an jeder Front gleich angelegt. Dadurch sitzen alle Griffe auf derselben Höhe und im gleichen Abstand zur Kante.

Kreppband schützt die Oberfläche

Vor dem Anzeichnen kannst du Kreppband auf die Stelle kleben, an der gebohrt werden soll. Die Markierungen lassen sich darauf gut erkennen und die Oberfläche wird weniger stark durch Bleistiftstriche belastet.

Außerdem kann Kreppband dabei helfen, das Ausreißen empfindlicher Oberflächen beim Bohren zu reduzieren.

Vor dem Bohren unbedingt die Rückseite prüfen

Bevor du ein Loch bohrst, solltest du immer auch die Innenseite der Front kontrollieren.

Dort könnten sich befinden:

  • Scharniere
  • Schubladenführungen
  • Verstärkungen
  • vorhandene Schrauben
  • Metallprofile
  • Innenauszüge

Die Bohrstelle muss von beiden Seiten frei zugänglich sein.

Von welcher Seite sollte die Möbelfront gebohrt werden?

Bei den meisten Möbelfronten wird von der sichtbaren Vorderseite zur Rückseite gebohrt. So bleibt die Vorderseite, die später sichtbar ist, möglichst sauber.

Damit die Rückseite beim Austritt des Bohrers nicht ausreißt, solltest du dort ein passendes Restholz fest anlegen oder festspannen. Dieses sogenannte Opferholz stützt die Oberfläche beim Durchbohren.

Bei empfindlichen Materialien wie Furnier, beschichteten Spanplatten oder dünnen Fronten kannst du besonders vorsichtig vorgehen:

  1. Bohrpunkt auf Vorder- und Rückseite genau markieren.
  2. Von der Vorderseite nur etwa bis zur Hälfte bohren.
  3. Die Front umdrehen.
  4. Das Loch von der Rückseite fertigbohren.

Dadurch wird das Risiko verringert, dass die Oberfläche auf einer Seite ausbricht.

Wichtig ist außerdem:

  • einen scharfen Holzbohrer verwenden
  • mit niedriger bis mittlerer Drehzahl arbeiten
  • nicht mit starkem Druck bohren
  • Kreppband über die Bohrstelle kleben
  • die Front auf einer festen Unterlage sichern

Bei lackierten Hochglanzfronten, Glasfronten, sehr dünnen Fronten oder besonders empfindlichen Oberflächen ist besondere Vorsicht nötig. Im Zweifel sollte die Bohrung von einer Fachperson ausgeführt werden.

Wie lang müssen die Schrauben sein?

Viele Möbelgriffe werden mit M4-Schrauben befestigt. Die benötigte Schraubenlänge richtet sich nach der Stärke der Möbelfront und der Tiefe des Gewindes im Griff.

Miss deshalb:

  • Stärke der Front
  • eventuell vorhandene Unterlegscheiben
  • Gewindetiefe des Griffs

Die Schraube sollte weit genug in den Griff reichen, darf aber nicht zu lang sein. Eine zu kurze Schraube hält nicht sicher, eine zu lange Schraube kann den Griff beschädigen oder verhindert, dass er fest an der Front anliegt.

Was tun, wenn der neue Lochabstand nicht passt?

Wenn die Bohrlöcher nicht zum neuen Griff passen, gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Einen Griff mit passendem Lochabstand wählen

Das ist meist die einfachste und sauberste Lösung. Deshalb lohnt es sich, bereits beim Einkauf gezielt nach dem vorhandenen Lochabstand zu filtern.

Einen längeren Griff zur Abdeckung verwenden

Ein längerer Griff kann alte Bohrlöcher optisch verdecken. Die neuen Befestigungspunkte müssen jedoch stabil und mit genügend Abstand zu den alten Löchern gebohrt werden.

Alte Löcher verschließen

Bei Holzfronten können alte Bohrlöcher je nach Oberfläche verspachtelt oder mit passenden Holzstäbchen verschlossen werden. Danach muss die Stelle häufig geschliffen und farblich angepasst werden.

Bei lackierten oder beschichteten Fronten ist eine nahezu unsichtbare Reparatur deutlich schwieriger.

Eine Griffplatte verwenden

Dekorative Griffplatten können alte Bohrlöcher abdecken und gleichzeitig einen bewussten Gestaltungseffekt schaffen.

Besondere Griffarten richtig ausmessen

Nicht jeder Griff wird wie ein klassischer Bügelgriff gemessen.

Griffleisten

Bei Griffleisten sind Gesamtlänge, Profilhöhe und Montageart besonders wichtig. Manche Modelle werden verschraubt, andere auf eine Kante gesteckt oder an der Rückseite befestigt.

Muschelgriffe

Neben dem Lochabstand solltest du auf die Breite und Höhe der Muschel achten. Der Griff muss genügend Platz für die Finger bieten.

Einlassgriffe

Einlassgriffe benötigen häufig einen exakt passenden Ausschnitt. Hier reicht es nicht, nur den Lochabstand zu kennen. Breite, Höhe, Tiefe und Fräsmaß müssen genau geprüft werden.

Lange Relinggriffe

Bei langen Griffen solltest du zusätzlich kontrollieren, ob die Front stabil genug ist und der Griff optisch zur Größe des Möbels passt.

Häufige Fehler beim Ausmessen und Bohren

Diese Fehler lassen sich leicht vermeiden:

  • von Lochkante zu Lochkante messen
  • Lochabstand und Gesamtlänge verwechseln
  • nur einmal messen
  • die Frontstärke nicht berücksichtigen
  • vor dem Bohren nicht auf der Rückseite kontrollieren
  • Bohrpunkte ohne Schablone auf mehrere Fronten übertragen
  • unterschiedliche Abstände zu den Außenkanten wählen
  • Griffposition nur nach Augenmaß festlegen
  • zu dicht an vorhandenen Bohrlöchern neu bohren
  • ohne Opferholz durch die Front bohren
  • einen stumpfen oder ungeeigneten Bohrer verwenden
  • mit zu viel Druck bohren

Unser Tipp: Erst anhalten, dann bohren

Lege den Griff vor der Montage auf die Front oder befestige ihn probeweise mit wiederablösbarem Klebeband. So kannst du aus etwas Abstand prüfen, ob Größe, Position und Stil wirklich zum Möbelstück passen.

Besonders bei mehreren Schubladen oder Türen lohnt es sich, alle Griffpositionen zunächst zu markieren und das Gesamtbild zu kontrollieren.

Gut gemessen ist leichter montiert

Der richtige Lochabstand ist die wichtigste Grundlage dafür, dass ein neuer Möbelgriff ohne zusätzliche Bohrungen montiert werden kann. Gemessen wird immer von der Mitte des ersten Bohrlochs bis zur Mitte des zweiten Bohrlochs.

Bei neuen Fronten sollten zusätzlich Breite, Höhe, Kantenabstände und die spätere Wirkung des Griffs berücksichtigt werden. Mit einer Schablone, sorgfältigen Markierungen, der richtigen Bohrrichtung und einer abschließenden Kontrolle lassen sich Möbelgriffe gerade, gleichmäßig und sicher montieren.

So wird aus einem kleinen Detail eine saubere und stimmige Veränderung für Küche, Kommode, Schrank oder Badmöbel.

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